Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie

Rheinische Wilhelms-Universität Bonn

Als ehrenamtlicher Lehrbeauftragter biete ich ich in jedem Semester ein Seminar "Die Entwicklungs- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union" für jeweils 20 Studierende der Gesellschaftswissenschaften (Politikwissenschaften, Soziologie, Lehramt, Erasmus-Programm) an. Im Wintersemester 2022/23 stehen die folgenden Inhalte im Mittelpunkt (siehe auch im Vorlesungsverzeichnis):

Das Seminar soll die Studierenden in die Lage versetzen, die Entwicklungs- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union (EU) vor allem bei der Zusammenarbeit mit den Mitgliedern der OAKPS (Organisation afrikanischer, karibischer und pazifischer Staaten) kritisch zu reflektieren. Dies soll dadurch erreicht werden, dass die Studierenden: a) die nach außen gerichteten Politikfelder der EU sowie ihre Instrumente kennen (vor allem Internationale Partnerschaften, Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, Humanitäre Hilfe, Migration); b) einen Überblick über den internationalen Bezugsrahmen für diese Politiken gewinnen (Agenda 2030 der UN, UN-Flüchtlings- und Migrationspakt, Beschlüsse der COPs (Conferences of the Parties) zur Bekämpfung der Auswirkungen des Klimawandels, Agenda 2063 der Afrikanischen Union etc.); c) die thematischen, sektoralen und regionalen Schwerpunkte der Zusammenarbeit mit den OAKPS-Ländern sowie wichtige Implementierungsergebnisse kennen; d) sich anhand von Beispielen mit den aktuellen, zentralen Herausforderungen dieser Länder auseinandersetzen; e) die erworbenen Kenntnisse mit den Auswirkungen der "Zeitenwende" nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine diskutieren.

Dabei werden auf der Basis der Erfahrungen der Dozenten theoretische Grundlagen und praktische Erfahrungen der Entwicklungs- und Sicherheitspolitik der EU nach Möglichkeit miteinander verbunden, um Probleme von einheitlichem Außenauftritt, inhaltlicher Kohärenz und der Umsetzung von Lösungsstrategien zu identifizieren. Das Paradigma einer friedlichen, menschenwürdigen und nachhaltigen Entwicklung dient als Referenzrahmen zur Beurteilung dieser EU-Politiken. Dem entspricht das Verständnis von einem erweiterten Sicherheitsbegriff, der militärische und zivile Mittel gleichrangig sieht und miteinander verknüpft ("vernetzte Sicherheit"). Der Begriff der „menschlichen Sicherheit“ ist vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen im Entwicklungsbericht 1994 als Leitbegriff präsentiert und im entwicklungspolitischen Kontext weiterentwickelt worden. Jenseits der militärischen Sicherheit zielt menschliche Sicherheit auf die Verwirklichung der verschiedenen Menschenrechte und will zur Verbesserung der wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und politischen Lebensbedingungen der Menschen beitragen. Inwieweit dieses Konzept vor dem Hintergrund des Angriffskrieges auf die Ukraine Bestand haben kann, wird gleichfalls Gegenstand der Diskussionen sein. Die "Zeitenwende" wird auch Entwicklungs- und Sicherheitspolitik verändern – das Seminar wird aktuellen Entwicklungen und ihrer Reflexion Raum geben.

Es wird die Bereitschaft vorausgesetzt, grundlegende Literatur zu studieren sowie relevante Texte zur Vorbereitung einzelner Sitzungen zu lesen. Die intensive, auch kontroverse Diskussion der Thesen und Ausführungen von Dozenten und Vortragenden im Rahmen des Seminars setzt eine regelmäßige Teilnahme voraus. 

Als Studienleistung wird die Übernahme eines Referates oder einer vergleichbaren Leistung erwartet. Der Vortrag sollte überwiegend auf eigenen Recherchen beruhen, d.h. der Auswertung von aktuellen Dokumenten einschlägiger Forschungseinrichtungen, von relevanter Sekundärliteratur sowie von Darstellungen deutscher und europäischer Institutionen. Die Referate werden in englischer Sprache vorgetragen, in geeigneter Weise medial unterstützt und von einem Thesenpapier (deutsch/englisch – insgesamt 2 Seiten) begleitet. 

Die Studierenden schließen das Modul mit einer schriftlichen Hausarbeit ab. Behandelt werden die im Seminar besprochenen Themen und Inhalte.